Moving Forward Conference New York City

Fried Mantl MF NYC 30.5.2019

Moving Forward Conference: Transatlantische Verständigung über Zukunftsfragen

Über 500 Teilnehmer übertrafen bei der zweiten Auflage der Moving Forward Conference in New York City alle Erwartungen. Größtes Austro-Event in den Vereinigten Staaten thematisierte wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen der Digitalisierung. Bereits zum zweiten Mal ging die Moving Forward Conference, organisiert von JMC und AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA, am 30. Mai 2019 in New York City (USA) den großen Fragen der Digitalisierung nach. Der österreichische Exporterfolg in die Vereinigten Staaten widmete sich in seiner zweiten Auflage im Metropolitan West den gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen neuer Technologien. Im Vordergrund der Diskussion mit rund 40 internationalen Speakern standen die Themenbereiche Blockchain-Technologie und Finanzmärkte, Künstliche Intelligenz, Stadtentwicklung sowie Medien und Gesellschaft.

„Die Moving Forward Conference schlägt die Digitalisierungsbrücke über den Atlantik und bringt Innovationen aus der alten und neuen Welt zusammen, um eine gemeinsame Vision Realität werden zu lassen“, begrüßte Josef Mantl (JMC).

„Technologischer Fortschritt verändert die Wirtschaft, vor allem aber die Gesellschaft. Digitalisierung ist kein regionales Phänomen, sondern verbindet die Welt. Österreich möchte mit seiner starken klein- und mittelunternehmerischen Struktur eine Schlüsselposition im technologischen Transfer einnehmen“, betonte Wirtschaftsdelegierter Michael Friedl (AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA).

Wenig Unterschiede zwischen alter und neuer Welt

Naturgemäß sind die Ansichten zum Datenschutz in den Vereinigten Staaten deutlich liberaler als in Europa, das sich vor einem Jahr durch die EU-Datenschutzgrundverordnung ein restriktives Konstrukt auferlegt hat. Neben einem ausgeprägten Verständnis für den Schutz persönlicher Daten wird vor allem die gesellschaftliche Verantwortung der Tech-Unternehmen für das Gemeinwohl hervorgehoben. In den Vereinigten Staaten wird der Wunsch nach klaren rechtlichen Rahmenbedingungen deutlich formuliert, um den expandierenden Digitalmarkt zu regulieren und Disruptoren nicht zu viel Macht zu überlassen. Nahezu alle Unternehmen wünschen sich einen engeren Dialog zwischen Politik und Wirtschaft, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Public-Private-Partnerships werden in fast allen Themenbereichen der Konferenz als Erfolgsmodell angesehen. Sehr ähnlich sind auch die Strategien für Smart Cities, bei deren Umsetzung es vor allem um Inklusion und die Vermeidung des Auseinanderklaffens der digitalen Schere geht.

Disruption der Finanzwelt durch Fintechs und Blockchain: Die neue Sicherheit durch technologischen Fortschritt

Celsius-CEO Alex Mashinsky beschäftigt sich mit der Entwicklung von Kryptowährungen und sieht die Zukunft in „Money over IP“ als nächsten Schritt nach „Voice over IP“. Dezentralisierung bestehender Dienstleistungen und Strukturen wie einst der Telekommunikationsbranche geben Menschen die Möglichkeit zur aktiven Teilhabe am Wirtschaftssystem und durchbrechen monopolistische Strukturen, die teils unter staatlicher Kontrolle sind. Entsprechend aggressiv versucht die Finanzwelt, existierende Systeme zu erhalten und dezentralisierte Entwicklungen zu verhindern, die tradierte Geschäftsmodelle obsolet machen.

„Die Dezentralisierung des Wirtschaftssystems durch Blockchain- und Open-Source-Technologien hat das Potenzial, den Wohlstand gerechter zu verteilen und damit gesellschaftliche Gerechtigkeit zu schaffen“, ist Mashinsky überzeugt.

Mittelfristig sieht er die wertgesicherte „Stable Coin“ als neuen Weltwährungsstandard, der Risiken durch Spekulanten ausschließt und die Kryptowährung zum vertrauenswürdigen Zahlungsmittel für den Massenmarkt macht. Anlagevermögen kann durch das Ausschalten der großen Player am Finanzmarkt mit sieben Prozent verzinst werden und Kredite auf neun Prozent reduziert werden, wodurch der globale Finanzmarkt in ein gerechtes Gleichgewicht kommt. BlockTower-Capital-CEO Matthew Goetz investiert mit seinem Fonds in Blockchain-basierte Geschäftsmodelle und öffnet den Markt für klassische Investoren wie Private-Equity-Fonds oder Hedge-Fonds.

„Das globale Ökosystem schafft Sicherheit durch Unabhängigkeit von einzelnen Finanzmärkten und inkludiert Märkte mit unterschiedlichen Entwicklungs- und Wachstumsgeschwindigkeiten“, betont Goetz.

Im heutigen Stadium braucht es politische, steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen, um Kryptowährungen als globalen Standard zu etablieren. Goetz ist überzeugt, dass der technologische Wandel neue Berufsbilder in der Finanzwelt schaffen wird, die stärker von technischem Wissen geprägt sind.

„Von einer Blase kann keine Rede sein“, unterstreicht Goetz. „Letzlich wird sich die Technologie dank ihrer hohen Sicherheitsstandards durchsetzen, die große Crahs im traditionellen Finanzwesen wie 2008 verhindern können.“

Technologie und nicht Währungen verändern die Finanzwelt

Die anschließende Diskussion mit Mary Jane Ajodah (BNY Mellon), Nisa Amoils (Securities Lawyer), Daniel Cronin (AustrianStartups), Guido Molinari (Prysm Group) und Lukas Stahl (Stahl Law) geht der Frage nach, ob das Ende der Banken, wie wir sie heute kennen, schon gekommen ist. Ajodah verortet eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Banken und Tech-Firmen, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, während Molinari noch klare Regulierungen für Kryptowährungen vermisst. Amoils bestätigt aus ihrer beruflichen Erfahrung, dass Banken intensiv an Strategien im Umgang mit Kryptowährungen arbeiten. Erste Ergebnisse erwartet sie allerdings erst in einigen Monaten. Auch Stahl warnt aufgrund fehlender Regulierungsstandards vor einer digitalen Goldgräberstimmung. Unabhängig von Kryptowährungen sind sich die Diskutanten einig, dass Blockchain-Technologie die Finanzwelt durch die Sicherheitsstandards nachhaltig verändern wird.

„Die Demokratisierung des Zugangs zu Informationen wird die Rolle von Banken verändern und stärken“, fasst Ajodah zusammen.

Künstliche Intelligenz: Gesellschaftlichen Mehrwert durch neuen Narrativ schaffen

Katrin Zimmermann (TLGG Consulting) betrachtet in ihrer Keynote die Vorteile der Künstlichen Intelligenz für Staaten und deren Bevölkerung. Die Universitäten von Stanford und Heidelberg haben beispielsweise eine Technologie entwickelt, um Hautkrebs mit Smartphones zu diagnostizieren und damit zur Früherkennung beizutragen. Menschen auf der ganzen Welt können kostenlos vom medizinischen Wissen profitieren. Künstliche Intelligenz analysiert auch das Mobilitätsverhalten von Menschen in Katastrophen-Situationen und wird bereits im Krisenmanagement eingesetzt. Zur Dokumentation der Verschmutzung der Ozeane durch Plastikmüll umkreisen Drohnen die Erde und liefern Ergebnisse, die ebenfalls durch Künstliche Intelligenz ausgewertet werden und neue Erkenntnisse liefern. Für die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz braucht es umfangreiche Daten.

„Falsch verstandener Datenschutz wie in der Europäischen Union verhindert technologische Entwicklungen, die dem Gemeinwohl dienen“, weiß Zimmermann.

Sie fordert einen neuen Narrativ über Künstliche Intelligenz und persönliche Daten, um mehr Daten für den gesellschaftlichen Mehrwert zu generieren. Zimmermann strebt vermehrte Public-Private-Partnerships am Datensektor an, um das Datengold der Unternehmen zum öffentlichen Gut zu machen und damit ein neues Verständnis im Umgang mit persönlichen Daten zu schaffen. Ähnlich wie bei Kryptowährungen braucht es auch für den Einsatz Künstlicher Intelligenz ein weltweites Regulatorium und verbindliche Richtlinien.

„Als Gesellschaft haben wir eine hohe Verantwortung, technologische Entwicklungen als Beitrag zum Gemeinwohl zu gestalten und persönliche Interessen nicht in den Vordergrund zu stellen“, fasst Zimmermann zusammen.

Dennis Mortensen (x.ai) gibt Einblicke in die Entwicklung intelligenter Agents. Er warnt davor, Agents zu menschlich zu gestalten, um eine klare Differenzierung zwischen der künstlichen und humanen Intelligenz sicherzustellen. Sie soll dem Menschen assistieren und keine zwischenmenschliche Beziehung aufbauen. Dialoge mit der Künstlichen Intelligenz dürfen nicht zum Selbstzweck werden, sondern ausschließlich den Servicegedanken erfüllen. Die menschliche Sprache in ihren Ausprägungen und Dialekten vollständig verstehen zu können, wird Maschinen auch in Zukunft kaum möglich sein, weswegen dieser Anspruch in der Programmierung keinen hohen Stellenwert haben soll. Die Richtigkeit der durch Künstliche Intelligenz getätigten Voraussagen hängt stark vom Mehrwert der Technologie für den User ab: Während bei autonom fahrenden Autos keine Fehlertoleranz gegeben ist, kann bei automatischer Bilderkennung auch schon eine geringe Korrektheit eine Unterstützung für den User darstellen. Letztlich sollen Agents nicht als Software, sondern als Effizienzbringer kalkuliert und eingepreist werden. Um gesellschaftliche Auswirkungen durch Künstliche Intelligenz geht es auch bei der Podiumsdiskussion mit Bjorn Austraat (IBM), Kimberly Brizzolara (Brands That Get You), Susan Lindner(Emerging Media), Sonny Tai (Aegis AI) und Julien Zakoian (Meero). Effekte auf den Arbeitsmarkt wird es wie bei jeder technischen Revolution geben, wobei menschliche Fähigkeiten wie Empathie auch in den nächsten 20 Jahren nicht durch Digitalisierung ersetzt werden können. Viel wesentlicher sind die Möglichkeiten, wie Künstliche Intelligenz Menschen unterstützen kann: Die Software von Aegis AI identifiziert beispielsweise Schusswaffen. Sie soll helfen, die rund 30.000 jährlichen Morde in den Vereinigten Staaten zu reduzieren. Die Technologie von Meero hilft Fotografen, sich auf ihre kreative Leistung zu fokussieren und entlastet sie von administrativen Nebentätigkeiten. Brands That Get You personalisiert die Interaktion zwischen Marken und Konsumenten durch Künstliche Intelligenz und hilft Start-ups bei effizienten Marketinglösungen. Künstliche Intelligenz kann Datenmissbrauch verhindern und für mehr Transparenz sorgen. Sie wird künftig auch notwendig sein, um Fake News von realen Nachrichten zu unterscheiden und den Menschen Orientierung in der Datenflut zu geben. Der enorme Wissensgewinn durch Künstliche Intelligenz wird sich vor allem im Bildungswesen zeigen: Lebenslanges Lernen in kleinen „Snacks“ wird unabdingbar, um mit den Erkenntnissen mitzuhalten. Skeptisch sind die Diskutanten gegenüber staatlicher Überwachung und Gesichtserkennung wie etwa in China, die sich nicht mit dem Verständnis von Persönlichkeitsrechten der westlichen Welt in Einklang bringen lässt.

Wie die Digitalisierung die Städte der Zukunft verändert

Shaun Stewart (New Lab) unterstützt in Zusammenarbeit mit Regierungsstellen und Behörden Unternehmen mit Mehrwert für die Öffentlichkeit in ihrem Wachstum durch Skalierung. Aktuell hat New Lab in einer ehemaligen Werft im Brooklyn Navy Yard über 130 Unternehmen mit einem Marktwert von 1,8 Milliarden U.S.-Dollar bei ihrer Expansion begleitet. Das Portfolio umfasst unter anderem Gesundheitswesen, Mobilität, Logistik, Bio-Technologie oder Landwirtschaft. Während privatwirtschaftliche Unternehmen häufig Schwierigkeiten haben, effiziente Innovations-Programme zu machen und Start-ups schwieriger an Investorengelder kommen, bekommen Städte über New Lab einen direkten Zugang zu den Innovationsunternehmen und können Public-Private-Partnerships entwickeln. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit stellen Städte beispielsweise ihr Datenmaterial zur Verfügung, um Lösungen für konkrete Probleme zu entwickeln. Zusätzlich werden auch Unternehmen in die Programme integriert, um die Kollaboration zwischen Wirtschaft und Verwaltung zu optimieren. Flying-Car-Racing-Erfinder Dezso Molnar blickt in die Zukunft der Mobilität, die er in der Luft sieht. Die aktuelle Überlastung des Verkehrs wird durch die Digitalisierung weiter verschärft: Zum Beispiel haben Uber und Lyft staubedingte Verspätungen in San Francisco um 40 Prozent steigen lassen. Die meisten aktuellen Konzepte für Luft-Taxis sind Senkrechtstarter, die auf Drohnentechnologie basieren. In den USA gibt es rund 15.000 Flugplätze, weltweit in etwa 44.000. Sie liegen jedoch selten im direkten Wohngebiet und stellen keine sinnvolle Möglichkeit da, um den Verkehr vom Boden in die Luft zu verschieben. Molnars Erfindung verbindet Elektro-Motorräder mit Solarenergie und der Technik des Segelflugs und wird derzeit bei experimentellen Flug-Rennen getestet. Sie soll eine Mischung aus bodengebundener Fortbewegung und Flug ermöglichen, Ressourcen schonen und Wegzeiten verkürzen. Durch die Tragflächen liegen die Betriebskosten deutlich unter jenen von Senkrechtstartern, die Helikoptern ähneln.

Smart Cities: Digitale Transformation braucht Inklusion

Wie Städte von digitalen Innovationen profitieren können, diskutieren Lindsay Clinton (New York City Economic Development Corporation), Gina O’Connell (Comet Mobility), Gianluca Galletto(Global Futures Group), Micah Kotch (URBAN-X) sowie Chante Harris (Capalino+Company). 16.662 Verkehrsunfälle mit 16 Toten in New York City im letzten Monat zeigen, dass der stetig zunehmende Verkehr Städte vor wachsende Herausforderungen stellt, die sich durch Innovationen und Technologie lösen lassen. Disruptoren wie Uber oder Lyft stellen keine Lösung für Mobilitätsprobleme der wachsenden Städte dar, sondern bedienen nur Teilbereiche, ohne aktuell damit Geld zu verdienen. Inklusion ist bei der Umsetzung von Zukunftstechnologien ein wesentlicher Faktor, um gesellschaftliche Spaltung zu vermeiden. Vor allem untere Einkommensschichten sind gefährdet, den digitalen Anschluss zu versäumen. Digitalisierung verlangt nach fundierter und flächendeckender Vermittlung von Digitalwissen, um Barrieren abzubauen und den Menschen Sicherheit im Umgang mit neuen Technologien zu geben. Für nachhaltige Entwicklungen braucht es einen wesentlich intensiveren Dialog zwischen Politik und Wirtschaft.

Missverstandene Konsumenten: Lagerfeuer Fernsehen im digitalen Wandel

Christian Kurz (Viacom) ist mit seiner Mediengruppe in über 180 Ländern mit 250 Sendern in mehr als 40 Sprachen vertreten. Als „Geschichtenerzähler“ versucht das Unternehmen aus dem digitalen Wandel zu profitieren und neue Plattformen und Technologien zu erschließen. Sie ermöglichen es den Menschen, Content auf unterschiedliche Arten zu konsumieren, wodurch die Inhalte der Mediengruppe stärker in den Vordergrund rücken. Der durchschnittliche U.S.-Bürger konsumiert über vier Stunden Inhalte auf großen Fernseh-Bildschirmen. Kurz warnt davor, zu sehr auf die eigene Filterblase der Medienbranche zu vertrauen, was die Einschätzungen zum Medienkonsum der Gesamtbevölkerung betrifft.

„Wir Medienmacher leben in Großstädten, sind jünger als Durchschnitt, gestresster, immer online und karrieregetriebene Workaholics“, scherzt Kurz über die Medienbranche.

Pro Haushalt gibt es laut einer aktuellen Viacom-Studie über zehn Geräte auf denen Video-Content empfangen werden kann und rund vier Fernbedienungen. Die Vielzahl an Devices, Angeboten und Inhalten macht es für Durchschnittskonsumenten zu kompliziert; sie suchen Orientierung im Contentdschungel, wünschen sich zeitgleich jedoch immer mehr Unterhaltung und Auswahl. Mit der Anzahl der Devices steigt der Contentkonsum. Mit 70 Prozent bleibt der große Fernseh-Bildschirm noch immer das bevorzugte Gerät, um Fernseh-Inhalte zu genießen. Andere Bildschirme sind weit abgeschlagen: 22 Prozent schauen gerne am Notebook, jeweils vier Prozent auf Smartphone und Tablet. Auch in der jungen Zielgruppe der 18- bis 24-Jährigen ist der große Fernseh-Screen das bevorzugte Gerät. Menschen schätzen Fernsehen für die verbindende Wirkung mit anderen Menschen, zur persönlichen Erholung und als Fenster zur Welt.

„Fernsehen hat auch in Zeiten der Hyperdigitalisierung nichts an seiner verbindenden Lagerfeuer-Funktion eingebüßt“, bestätigt Kurz.

Großes Potenzial sieht Viacom in Smart Assistants im Haushalt, die sich noch in einem sehr frühen Stadium befinden. Ebenso wesentlich werden Sprachassistenten und Virtual Reality werden: Letztere wird von 82 Prozent der Menschen als wichtige Zukunftstechnologie angesehen.

Der Handel wird mobil

Aaron Austin (Google) zeigt auf, dass 75 Prozent aller E-Commerce-Transaktionen bis 2021 über mobile Endgeräte erfolgen werden. Er sieht Apps als wesentliches Tool, um Markentreue zu fördern. Nur 19 Prozent aller Kunden sind ihrer Marke auf unterschiedlichen Kanälen und auch im stationären Handel treu.

„Apps sind eine direkte Verbindung zu den Endkunden, die eine Interaktion ohne Dritte ermöglichen“, sagt Austin.

Die starke Personalisierung der Inhalte in Apps macht aus treuen Fans einer Marke aktive Multiplikatoren, wodurch sich die Umsätze um bis zu 250 Prozent steigern lassen. Zudem bringt sie vertiefende Erkenntnisse über das Verhalten der Kunden, wodurch sich die Individualisierung weiter verstärken lässt. Nur 43 Prozent der Kunden sind für Kundenbindungsprogramme registriert, jedoch nur 39 Prozent nutzen sie aktiv. Die Verbindung aus Kundenbindungsprogrammen und Apps sieht er als effektivste Methode, um Umsätze bei Bestandskunden zu steigern. Drei Viertel aller User laden zwar Apps herunter, nutzen sie aber nicht regelmäßig. Push-Notifications sind ein geeigneter Weg, um die App-Nutzung zu intensivieren. Allerdings stimmen nur 67,5 Prozent der User diesen Benachrichtigungen zu, weswegen auch andere Kommunikationskanäle wie E-Mail bespielt werden sollen, um die App zu bewerben.

Kreativität durch die Crowd

Rakia Reynolds (Skai Blue Media) leitet eine Multimedia-Kommunikationsagentur und ist für Unternehmen wie Uber, Morgan Stanley oder Airbnb tätig. Um neue Kreativität zu gewinnen, setzt sie auf Crowd-Sourcing und holt sich Inspiration aus unterschiedlichen Branchen, von Künstlern, Schauspielern oder Designern. Für sie ist es wesentlich, Menschen, ihre Emotionen und den Medienkonsum zu verstehen, um sie durch Kreativität anzusprechen. Bei Brainstormings mit ihrem Team schwört die erfolgreiche Agenturchefin auf stimulierende Farben, um die Gedanken bewusst zu lenken. Werbern rät sie dringend dazu, Content zu konsumieren und hebt die erklärende Rolle der Medien hervor, um komplexe Inhalte zu verstehen. Konsumenten rät sie, Inhalte aus Werbung und Medien so kritisch zu überprüfen, wie sie es selbst von Journalisten erwarten.

Der Einfluss von Design auf die Mediennutzung

Kim Kaupe (The Superfan Company), Jeff Koyen (Pressland), Emma Lawler (Moonlight), Frank Maguire (Sharethrough), Tsedale Melaku (The Graduate Center CUNY) und Helen Todd (Sociality Squared) diskutieren über den Einfluss von Design auf die Mediennutzung. Rund 15 bis 20 Jahre nachdem Social-Media-Plattformen ihren Durchbruch feierten zeigt sich, dass sie in ihrem Grundgerüst sehr technisch gestaltet sind und dem Design damals weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde. In dieser Zeit hat sich auch die Einstellung zum Datenschutz massiv geändert. In Europa gibt es mit der EU-Datenschutzgrundverordnung und der in Verhandlung befindlichen ePrivacy-Verordnung bereits ein restriktives Rechtsgerüst, das der Schutzwürdigkeit persönlicher Daten juristisch Ausdruck verleiht. Native Advertising lässt werbliche Inhalte zusehends mit dem redaktionellen Umfeld verschmelzen, wodurch die Unterscheidung für die User schwieriger wird. Im Influencer-Marketing ist es ratsam, dem Pareto-Prinzip zu folgen und sich auf die 20 Prozent „Super Follower“ zu konzentrieren, die sich durch ihre Treue auszeichnen und als aktive Markenbotschafter neue Fans ansprechen.

„Mundpropaganda ist auch im digitalen Umfeld das wirksamste Tool“, weiß Kaupe.

Fake-Follower und rechtliche Rahmenbedingungen stellen im Influencer-Marketing Probleme dar, die erst gelöst werden müssen.

Start-ups pitchen im Big Apple

Keith Agoda (Producers Market) verbindet in seinem digitalen Ökosystem Landwirte und Produzenten auf der ganzen Welt. Obwohl entlang der gesamten Wertschöpfungskette viele Daten gesammelt werden, ist das Wissen der Konsumenten über die Herkunft ihrer Lebensmittel oft nicht vorhanden. Trotz extremer Widerstände ist die Plattform mittlerweile in 30 Ländern – unter anderem Indien – tätig und kooperiert mit IBM und den Vereinten Nationen. In seiner Keynote macht er Gründern Mut: Sie sollen sich niemals von Widerständen irritieren lassen und den Glauben an ihre Idee verlieren. Zum Abschluss der zweiten Moving Forward Conference in New York City haben wieder ausgewählte Start-ups die Möglichkeit, vor einer Fachjury zu pitchen. Peter Dolch (Business Angel und Investor), Geri Kirilova (Laconia Capital Group), Shrina Kurani (Republic), Dessy Levinson (645 Ventures) und Philip Delvecchio (Lead Strategist) fühlen fünf New Yorker Start-ups auf den Zahn: Trio, Diamond NestEgg, Blue Studios, Trusty und bizdevIQ. Als Sieger geht die digitale Bildungs-Plattform Blue Studios von Kelley O. Cambry aus der Start-up-Competition hervor. Rund die Hälfte der Eltern ist mit der Ausbildung ihrer Kinder an der Schule unzufrieden, was digitale Inhalte betrifft. Blue Studios spezialisiert sich auf die Vermittlung von Digital- und Tech-Know-how und bietet Live-Streams in unterschiedlichen Abo-Modellen an. Der E-Learning Markt in den Vereinigten Staaten erreicht aktuell ein Volumen von 72 Milliarden U.S.-Dollar. Trusty konzentriert sich auf die ältere Bevölkerung über 65 Jahre. 63 Prozent aller Privatkonkurse in den Vereinigten Staaten sind durch die hohen Kosten des Gesundheitssystems verursacht. 80 Prozent der älteren Menschen haben finanzielle Probleme aufgrund der Gesundheitskosten. Trusty gibt in einer App Überblick über günstige Kosten und Einkaufsmöglichkeiten für Medikamente und hilft den Usern, Geld zu sparen. 130 Milliarden U.S.-Dollar Venture Capital wurden 2018 in Start-ups investiert. 23 Prozent der Start-ups scheiterten aufgrund falsch zusammengesetzter Teams. bizdevIQ identifiziert als Dienstleistung für Start-ups und Investoren Stärken und Schwächen und schlägt datenbasiert Lösungen und Experten vor, um die nächsten Meilensteine zu erreichen. Die Anzahl der über 65-Jährigen wird sich in den USA bis 2060 von 55 auf 100 Millionen Menschen verdoppelten. Die alternden Baby-Boomer verfügen über ein Vermögen von rund 23 Trillionen U.S.-Dollar. Diamond NestEgg unterstützt die Menschen als Zahlungsplattform bei der Abwicklung ihrer täglichen finanziellen Verpflichtungen und wickelt die pünktliche Bezahlung von Rechnungen ab. Die Plattform hilft den immer älter werdenden Menschen bei der Budgetierung ihrer persönlichen Finanzen und schützt sie vor Betrugsversuchen. Zudem bietet Diamond NestEgg sichere Dokumentenarchivierung. Trio ist ein Membership-Club, der Menschen auf der Sinnsuche und bei ihrer persönlichen Entwicklung begleitet. Das Start-up setzt an der Zeitknappheit an, die viele Unternehmer vom persönlichen Ausgleich beispielsweise durch spirituelle Meditation abhält. Unter dem Dach von Trio werden auch Selbsthilfegruppen, Kurse, Fitnessprogramme und Räumlichkeiten in Clubhäusern angeboten.

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